Quereinsteiger Lehrer: Der Start in den Lehrerberuf

Geschrieben von | Februar 8, 2017 | Blog

Quereinsteiger Lehrer: Der Start in den Lehrerberuf
Der Beruf des Lehrers – Erhöht der Lehrermangel in Deutschland die Chancen für den Quereinstieg Lehramt?

Mittlerweile dürfte wohl Jedem bekannt sein, dass es an den Deutschen Schulen an Lehrkräften mangelt. Nach Schätzungen fehlen in Deutschland etwa 30.000 Lehrer – Tendenz weiter steigend. Dabei gibt es dieses Problem vor allem im ostdeutschen Raum, denn dort stehen viele Lehrer vor ihrer Pensionierung, so dass ihre Stellen neu besetzt werden müssen. Problematisch ist zudem, dass Lehrer im Osten nicht verbeamtet werden, so dass die Absolventen der Universitäten nicht in ihrer Studienheimat bleiben, sondern sich im Westen als Beamter verpflichten und nicht für ein geringeres Gehalt und unter Verzicht auf weitere Vorteile anstellen zu lassen. Es fehlen Lehrkräfte insbesondere im naturwissenschaftlichen Bereich – wie der Mathematik, der Chemie, der Physik und auch der Biologie. Neben diesen Problemen gibt es zudem Schwierigkeiten an den allgemeinbildenden Schulen die Fächer Informatik und Latein mit entsprechendem Fachpersonal zu besetzen. Ähnlich sieht es an den Berufsschulen aus, denn dort fehlt es an Lehrkräften für die Ingenieurswissenschaften, die Naturwissenschaften, aber auch Politikwissenschaften und Deutsch sowie Englisch. Der Bereich der Berufsschule sieht sich ferner einem wohl noch größeren Problem gegenüber, denn Lehramtsstudenten haben oft entweder kein Interesse an diesem Schulbereich oder kennen die Möglichkeit der Tätigkeit an einer Berufsschule gar nicht.

Aufgrund der Unattraktivität der Anstellung an Haupt- und Realschulen droht jedoch auch an diesen Schulformen ein kaum zu überwindender Mangel an Lehrpersonal.

Grundlegendes Problem dabei: Das Alter der Lehrer steigt, ein großer Teil wird in naher Zukunft das Rentenalter erreicht haben und ihr Arbeitsleben beenden. An Entsprechend ausgebildeten Nachwuchslehrern mangelt es überall. An Zahlen lässt sich diese negative Entwicklung ebenfalls belegen. Bis 2015 galt es, 371 000 Stellen mit Lehrpersonal zu besetzen, jedoch schlossen lediglich 297 000 ihren Vorbereitungsdienst bis dahin ab, so dass es zu einer Differenz von 74 000 Lehrkräften kam. Im Gegensatz dazu steigern die immer wiederkehrenden schlechten Pisa-Ergebnisse, aber auch die Forderung nach einer Vielzahl von Ganztagsschulen den Bedarf an Lehrern enorm.

Um diesem Mangel an Lehrkräften entgegen zu wirken, bemühen sich die Kultusminister, vermehrt das Interesse von Quereinsteigern, also Berufstätigen aus völlig anderen Berufsbereichen, an dem Beruf des Lehrers zu wecken. Damit möchten die Kultusminister die Ausbildung der Kinder in Deutschland sicherstellen.

Aber ist jetzt die Idee maßgebend, dass jeder Verkäufer oder Taxifahrer Lehrer wird und Kinder/Jugendliche unterrichten soll?

Diese Frage muss verneint werden, es geht vielmehr um die Umsetzung eines Konzeptes zur Verbesserung und Steigerung der mangelnden Anzahl an Lehrkräften. Dies soll wie folgt geschehen: Zunächst geht das Lehrergesuch der Kultusminister an die Seiteneinsteiger, also bereits studierten Lehrern, die jedoch in Fächern ausgebildet sind, in denen kein Lehrermangel, sondern ein Überangebot herrscht. Beispiele hierfür wären die Fächer Deutsch und Geschichte. Die Idee umfasst ein Umsatteln der Seiteneinsteiger auf die Lehrbereiche, die einen Mangel an Lehrpersonal aufweisen.

Quereinstieg und Seiteneinstieg Lehramt – auch eine ernst zu nehmende Option für Interessenten

Doch darauf allein ist das Gesuch nicht beschränkt. Vielmehr sollen sich auch Interessenten angesprochen fühlen, die kein Lehramtsstudium absolviert haben. Doch was müssen Quereinsteiger mitbringen, um ernsthafte Chancen zu haben, in dem Lehrberuf Fuß zu fassen?

Generell gilt: Die Voraussetzungen für Quereinsteiger sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt, lediglich in den grundlegenden Bedingungen stimmen sie überein.
Hat man Interesse am Lehrerberuf, so kann man diesen auch ohne Lehramtsstudium ausüben und gleich mit dem Referendariat, also einer zweijährigen Vorbereitungszeit, beginnen. Dafür muss der Interessent über einen Hochschulabschluss verfügen. Dieser Abschluss muss in einem Mangelfach vorliegen. Dieser Begriff bezeichnet ein Fach, welches nicht komplett mit Bewerbern, die eine gewöhnliche Ausbildung abgeschlossen haben, folglich dem ersten Staatsexamen für das jeweils einschlägige Lehramt, belegt werden kann. Daher ist ein Quereinstieg in das Lehramt besonders für Hochschulabsolventen mit einem Diplom oder Magisterabschluss oder aber auch Universitätsassistenten in den Mangelfächern interessant.
Des Weiteren lässt sich oft auch ein zweites Unterrichtsfach aus dem Studium ableiten. Hat jemand beispielsweise Informatik studiert, so kann er auch Leistungen im Bereich der Mathematik belegen. Manche Bundesländer ermöglichen zudem Fachhochschulabsolventen eine Anstellung als Berufsschullehrer Quereinsteiger.

Der Quereinstieg ins Lehramt und seine qualifizierende Entwicklung

Als Quereinsteiger muss immer zunächst ein zweijähriger Vorbereitungsdienst abgeleistet werden. Hierin liegt der Unterschied zum Seiteneinstieg, denn diese Interessenten können direkt am Einstellungsverfahren teilnehmen und müssen kein gesondertes Referendariat abschließen. Gleichzeitig erfolgt für beide Einstiegsvarianten eine pädagogische Ausbildung bzw. eine pädagogische Nachqualifikation, so zum Beispiel in der Fachdidaktik. Schließen sie das Referendariat ab, erfolgt die Zulassung zum zweiten Staatsexamen. Nach einem erfolgreichen Abschluss des Examens können sich die Quereinsteiger nun den Lehrereinstellungsverfahren stellen und auf eine Anstellung hoffen. Doch auch hierbei gibt es Unterschiede zu den Seiteneinsteigern: Neben einem sofortigen Berufseinstieg der Seiteneinsteiger erfolgt die Anstellung zunächst lediglich mit einem Tarifvertrag, erst danach der Einstieg in ein Beamtenverhältnis. Seiteneinsteiger können gleich in ein Beamtenverhältnis eintreten. Im Großen und Ganzen sind ihre Aussicht auf Erfolg ist gut, wobei die Chancen an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen für die Bedarfsfächer höher sind. Dieser Bedarf an den jeweiligen Fächern wird normalerweise zuvor durch die Schulaufsichtsbehörde festgestellt, wobei es hier zu jährlichen Neuerungen kommen kann, denn eine Festlegung erfolgt jedes Jahr.
Insbesondere an Berufsschulen, Haupt- und Realschulen stehen den Quereinsteigern die Türen offen und damit auch die Chance, in ein Beamtenverhältnis übernommen zu werden, liegen gut. Zu beachten sind hier jedoch die Altersgrenzen für eine Bewerbung, die in den Bundesländern unterschiedlich geregelt sind. In Hamburg beispielsweis beträgt das maximale Bewerbungsalter 42 Jahre.

Der Quereinstieg als Lehrer – eine neue berufliche Perspektive, deren Weg nicht einfach ist

Gerade die Aussicht auf einen Beamtenstatus, ein damit einhergehendes gutes Gehalt und zahlreiche Ferien machen den Beruf des Lehrers nicht nur interessant sondern durchaus erstrebenswert, allerdings sollte man sich bei all den positiven Gründen auch bewusst sein: Lehrern wird auch nichts geschenkt. 23 Prozent der Lehrer, die bereits verbeamtet sind, werden im Laufe ihrer Tätigkeit arbeitsunfähig. Der Stress der Arbeit macht viele Lehrer krank. Dabei handelt es sich nicht nur um ein weit verbreitetes Klischee, denn viele Lehramtsstudenten leiden bereits unter dem Burn-out-Syndrom bzw. das Risiko eines Burn-outs ist sehr hoch. Das Lehramt für Quereinsteiger sollte nicht als Notnagel gesehen werden, sondern wohl überlegt sein, denn es handelt sich bei diesem Beruf um eine Herausforderung. Kinder wirken oft abschreckend, ist das für den Interessenten gar kein Thema, so ist dies der erste Schritt in die richtige Richtung. Quereinsteigern wird es ermöglicht, in einer Klasse zu hospitieren, so dass sie schnell merken, ob ihnen die Arbeit mit Kindern und auch Jugendlichen gefällt und ihnen behagt.

Doch wenn man in einem Job festhängt, keine Aussicht auf Aufstiegsmöglichkeiten, schlecht bezahlt – alles Gründe, um den Gedanken „Zu verlieren habe ich nichts, versuchen kann man es ja doch mal“ zu festigen und umzusetzen. Der Beruf des Lehrers gilt als ein Beruf, in welchem man zukunftsorientiert Fuß fassen kann. Da Quereinsteiger jedoch lediglich Lehrermängel verringern sollen, bekommt man nur dann eine Anstellung, wenn es nicht genug Universitätsabsolventen mit einer entsprechend benötigten Fächerkombination gibt. Es sollen noch immer alle offenen Stellen möglichst mit Studienabsolventen besetzt werden. Gerade die ersten beiden Jahre als Quereinsteiger gelten als „Quälerei“, denn sie sehen sich mit einer doppelten Belastung konfrontiert: das Referendariat muss berufsbegleitend erfolgreich abgeschlossen werden, zudem kommt die Tätigkeit eines Lehrers, die eigenverantwortlich vorbereiten und ausarbeiten und letztlich ihre Pläne auch umsetzen müssen. Kurz nach Beginn – meist in der ersten Woche des Vorbereitungsdienstes – stehen die Quereinsteiger bereits alleine vor einer Klasse und sollen diese unterrichten – abschreckend und heraufordernd zugleich. Die Quereinsteiger nehmen an normalen Modulen des Lehramtsstudiums teil, allerdings wird hier besonders viel Wert auf die praktische Berufserfahrung gelegt, so dass neben dem Studium, welches vier bis sechs Semester andauert, 50 Prozent in der Schule in Form von praktischen Stunden abgeleistet werden. Ist ein Quereinsteiger besonders gut geeignet, so beginnt er mit dem Studium auch die praktische Lehrtätigkeit auszuüben.

Doch wird das Problem des Lehrermangels mit Hilfe von Quereinsteigern bzw. Seiteneinsteigern auf Dauer gelöst?
Natürlich sollen Quereinsteigerprogramme keinen Notbehelf dafür darstellen, die ordnungsgemäße Ausbildung zum Lehrer zu absolvieren. Vielmehr dienen sie dazu, über personelle Notlagen hinüber zu helfen. Bei aller Unterschiedlichkeit müssen die Länder jedoch auch qualitative Standards einhalten. Die unterschiedlichen Regelungen zum Quereinstieg in das Lehreramt müssen bei dem jeweils zuständigen Kultusministerium abgefragt werden. Die Internetseite des Deutschen Bildungsservers bietet umfangreiche Informationen über die Voraussetzungen und die Zulassungsbedingungen. Zusätzlich zu dem Bemühen, eine langfristige Lösung für das Problem zu finden, werden auch die Stimmen von Kritikern laut:

Unterrichten, ohne eine Lehramtsprüfung erfolgreich abgelegt zu haben – Kritiker halten dies für undenkbar! Kritiker wollen eine Reduktion der Qualität des Unterrichts erkennen, denn die Kinder werden insbesondere in den ersten Grundschuljahren oftmals von Lehrern unterrichtet, die didaktisch keine fundierten Kenntnisse und Fähigkeiten vorweisen können, sondern diese selbst erst im Laufe des Referendariats ausbilden. Daher wird von Gewerkschaften gefordert, dass Quereinsteiger während dieser Vorbereitungsphase eingeschränkter unterrichten sollen. Zunächst sollen die pädagogischen Kenntnisse erweitert und das Basiswissen vertieft und verinnerlicht werden, bevor sie vor eine Klasse treten. Die Befürworter des Quereinsteigerprogramms stellen dem entgegen, dass die Quereinsteiger stets von erfahrenen Lehrern unterstützt werden und zudem an Intensivkursen teilnehmen müssen. Eine weitergehende Lebenserfahrung und ein umfangreicher Wissensschatz sollen die Vorteile von Quereinsteigern im Lehrerberuf unterstreichen. So profitieren die Schüler und Kollegen von ihnen. Zudem gibt es bereits seit den 80er Jahren die Möglichkeit zum Quereinstieg, der Berufsweg ist also keine neue Erfindung. Es kann sich aber tatsächlich um eine Bereicherung handeln, denn Quer-/Seiteneinsteiger können aus ihrem beruflichen Alltag berichten und ihre Erfahrungen teilen. Dabei teilen sie ausschließlich authentische Informationen. Sie können für Schüler eine Art Vorbildfunktion übernehmen. Quereinsteiger sind keine vollständige Lösung des Problems des Lehrermangels, ihr Einsatz macht nur Sinn, sofern derjenige hinter seiner Entscheidung eines Jobwechsels steht und er sich im Unterrichten voll einbringt. Dabei sollte es nicht darauf ankommen, ob die Tätigkeit nur für einen bestimmten Zeitraum ausgeübt wird oder nicht, der Quereinsteiger sollte vielmehr in diesem Beruf aufgehen. Eine Einschätzung, ob ausgebildete Lehrer besser sind als Quereinsteiger, ist kaum möglich, da es solche und solche gibt, auch Quereinsteiger können erfolgreich unterrichten und gut im Umgang mit Kindern sein. Der Unterschied zu „schlechteren“ Lehrern ist der, dass die Tätigkeit nicht gerne, also nicht von Herzen ausgeübt wird.
Natürlich sind einige Menschen Naturtalente. Sie gehen in eine Klasse und haben sofort alle Aufmerksamkeit und allen Respekt, den sie benötigen. Dies ist jedoch nicht die Regel und kommt nur in Ausnahmefällen vor. Besonders gut kommen Lehrer, egal ob Quereinsteiger oder ausgebildet, bei den Schülern an, die über eine gesetzte aber zugleich offene Persönlichkeit verfügen. Lehrer, die sich nicht nur auf ihren Fachbereich konzentrieren, sondern die auch Fragen außerhalb dieses Bereiches beantworten können. Lehrer, die Kinder mögen. Schüler bemerken dies und fühlen sich dadurch beachtet und als etwas Wichtiges. Ein Lehrer sollte nicht lediglich sein Fach unterrichten, sondern vielmehr die Kinder. Selbstverständlich ist es nicht einfach, solche Menschen zu finden, denn es gibt viele verschiedene Persönlichkeiten unter den Lehramtsstudenten und Quereinsteigern. Es bedarf eines besonderen Einfühlungsvermögens und der Fähigkeit der Menschenkenntnis, um solche Leute herauszufiltern. Einige Schulen haben hierfür einen Gesprächskatalog entwickelt. Dieser soll den Interessenten dazu bringen, über die Entscheidung und die Inhalte des Berufsbildes des Lehrers nachzudenken und herauszufiltern, ob die benötigten Eigenschaften vorhanden sind. Erst nach den „richtigen“ Eigenschaften sollte es auf die Berufsaussichten ankommen: eine Verbeamtung auf Lebenszeit in den meisten Bundesländern und ein unbefristeter Arbeitsvertrag.

Das Lehramt und seine wichtigsten Aufgaben – ein Überblick für Quereinsteiger Lehrer

Bekannt ist das Klischee, dass Lehrer vormittags Recht haben und nachmittags frei. Natürlich trifft dies nicht zu. Quer- und Seiteneinsteiger sollten sich bewusst sein, dass der Aufgabenbereich sehr vielfältig ist, die Vorbereitungen für die Unterrichtsstunden und die erforderlichen Korrekturen von Lernkontrollen sind abendfüllend. Doch welche Pflichten bringt der Beruf eines Lehrers noch mit sich? Mitunter sind sich Schüler dieser Pflichten gar nicht bewusst und nehmen diese auch gar nicht wahr.

Zu den Hauptaufgaben eines Lehrers gehört das Vorbereiten und letztlich die Durchführung des Unterrichts. Die Planung muss für längere Abschnitte erfolgen, so dass die Schüler nachhaltig lernen können. Beim Lernen sollen die Schüler möglichst selbstständig arbeiten und sich so den zu erlernenden Stoff eigenhändig aneignen. Eine Methode, dies herbeizuführen, sind selbsterklärende Arbeitsblätter, welche zuvor durch den Lehrer erstellt worden sind. Zusätzlich zu der Vermittlung des Unterrichtsstoffes hat der Lehrer die Aufgabe zur Erziehung, dies insbesondere in den unteren Schuljahrklassen. Ein respektvolles Miteinander, die Erziehung zur Selbstständigkeit und die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein sind ebenso Kernaufgaben eines Lehrers wie die Vorbereitung und Durchführung des Unterrichtes. Erziehung wird mehr und mehr zur Aufgabe der Schule und im Vergleich weniger zur Aufgabe der Eltern. Daher ist dieser Bereich von besonderer Bedeutung. Zudem muss ein Lehrer die Schüler beurteilen, dazu zieht er die mündliche Mitarbeit, die schriftlichen Kontrollen, aber auch das Ordnungsgefühl, die soziale Kompetenz und Fleiß mit ein. Der Lehrer muss hier Problemsituationen und Fehler erfassen und entsprechend analysieren. Seine Tipps sollen den Schülern helfen, den Lernerfolg zu erhöhen. Diese individuelle Beratung und Einschätzung kommen nicht nur den Schülern sondern auch den Eltern zugute. Hierzu finden mehrmals im Schuljahr Gespräche mit den Eltern statt. Eine weitere Aufgabe ist die Weiterentwicklung der Schule. Das Erstellen von Lehrplänen und die Umsetzung von neuen Ideen und Konzepten gehören dazu.

Die Arbeit der Lehrer an Berufsschulen

Dabei spielen die beruflichen Schulen eine gesonderte Rolle. Normalerweise sind die Schüler dieser Schulen Erwachsene, welche den angestrebten Abschluss oft viel ernster nehmen als Schüler der Sekundarstufe I. Folglich haben die Bereiche der Erziehung und der Beratung hier eine geringere Bedeutung.

Kurz und kompakt – Was Quereinsteiger und Seiteneinsteiger wissen und beachten sollten

Es gibt eine Vielzahl von Informationen, die gesichtet und durchgearbeitet werden wollen, sofern man sich für den Beruf des Lehrers entscheidet – und dies als Quer- bzw. Seiteneinsteiger. Oftmals bleiben viele Fragen unbeantwortet und die eigene Unsicherheit bleibt fortbestehen. Nachfolgende Checkliste für Seiteneinsteiger hilft, den Überblick zu behalten, ihre wesentlichen Bestandteile sind auch auf Quereinsteiger anwendbar.

1. Voraussetzungen für eine Einstellung als Lehrer und für eine berufsbegleitende Ausbildung

– Liegt ein Hochschulabschluss einer Universität vor, wobei mindestens 8 Semester als Regelstudienzeit vorgeschrieben sind?

– Aus diesem Hochschulabschluss muss sich zweifellos ein Unterrichtsfach bzw. sogar ein Lehramt erkennen lassen, für welches eine Bewerbung erfolgen soll. Zudem muss dieses an der entsprechenden Schulform auch erteilt werden.

– Zusätzlich zum ersten erkennbaren Unterrichtsfach muss sich ein zweites ableiten lassen. Dabei ist es ausreichend, wenn mindestens ein Drittel der Leistungen im Studium nachweislich für das angestrebte Lehramt erbracht worden sind. Dabei können auch gewonnene Berufserfahrungen angerechnet werden.

– Außerdem ist eine wenigstens zweijährige berufliche Tätigkeit oder aber auch die Betreuung eines minderjährigen Kindes nach dem Studienabschluss und ein Nachweis hierüber vonnöten.

– Ferner sind sehr gute Deutsch Sprachkenntnisse Voraussetzung für die Erziehungs- und Unterrichtstätigkeit.

Können die Interessenten jede dieser Fragen mit „Ja“ beantworten, besteht die Möglichkeit zum Einstieg in einen berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst bzw. in direkt das Auswahlverfahren. Denn diese Voraussetzungen werden von jeder Auswahlkommission zu Beginn des Auswahlverfahrens geprüft. Hinweis: Sofern die zweijährige praktische Berufserfahrung nicht nachgewiesen werden kann, so kann der Bewerber diese auch im Schuldienst absolvieren. Allerdings erhält man dann lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag und wird dazu verpflichtet, an der Einführung zur Pädagogik teilzunehmen. Nach dem Ablauf der Befristung ist eine unbefristete Anstellung möglich.

Tipps zur Bewerbung:

– Das Ausschreibungsverfahren bildet die Basis für die Bewerbung als Lehrer. Eine Bewerbung sollte dabei immer direkt an die Schule gerichtet werden, die die jeweilige Anstellung ausschreibt. In keinem Fall sollten Unterlagen an die zuständige Bezirksregierung gesandt werden.

– Befindet sich keinerlei Information zu einem möglichen Seiteneinstieg in der Ausschreibung, so ist eine Bewerbung hierauf auch nicht zulässig. In der Regel finden sich Formulierungen wie „Ausschreibug ist für den Seiteneinstieg offen“, sofern die Schule Interesse an diesen Bewerbern hat.

– Zudem sollten niemals Originale an die Bewerbung angefügt werden, denn diese Unterlagen werden in der Regel nicht zurück gesandt. Vielmehr erfolgt aus Gründen des Datenschutzes eine Vernichtung dieser Unterlagen.

– Die Bewerbung sollte nachfolgende Unterlagen enthalten, wobei diese ausdrücklich an die entsprechend ausschreibende Schule gerichtet sein müssen:

a) ein Bewerbungsschreiben, in welchem Stellung zu den Anforderungen in der Ausschreibung genommen werden muss,
b) ein tabellarischer Lebenslauf,
c) nicht beglaubigte Kopien von Zeugnissen oder weiteren Qualifikationen,
d) nicht beglaubigte Kopien der zusätzlich in der Stellenausschreibung angeforderten Nachweisen,
e) Bewerbungsanlage – Leistungen während des Studiums

Es sollte außerdem beachtet werden, dass Bewerbungen per E-Mail unzulässig sind. Es werden ausschließlich schriftliche Bewerbungen in dem Auswahlverfahren berücksichtigt.

Zu guter Letzt: Die ausschreibende Schule hat keine Verpflichtung, alle sich bewerbenden Seiteneinsteiger zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen. Es darf eine Einschränkung auf die Bewerber erfolgen, die der Auswahlkommission besonders geeignet erscheinen. Erfolgt eine entsprechende Einladung, so besteht zwischen allen Bewerbern die Chance, die Stelle zu erhalten, die Noten des Examens haben hier keine Bedeutung mehr. Seiteneinsteiger sollten jedoch immer im Hinterkopf haben, dass sie lediglich dann für die Anstellung in Betracht kommen, sofern keine voll ausgebildete Lehrkraft vorhanden ist. Sie stehen bei der Besetzung stets an nachrangiger Stelle.

Fazit: Unterrichtsausfall aufgrund des Lehrermangels ist ein weit verbreitetes Problem, welches es gilt, einzudämmen. Aus diesem Grund werden Quer- bzw. Seiteneinsteiger gezielt angeworben. Ist das ein Lösungsansatz oder lediglich zur Beruhigung des Gewissens des Kultusministeriums? Eine berechtigte Frage, denn zum einen besteht das Recht auf Bildung und Kontinuität an den Schulen, zum anderen sollten hierfür auch die entsprechend ausgebildeten Fachkräfte vorhanden sein. Eine „richtige“ Beurteilung der Sachlage scheint schwer, denn Unterrichtsausfall bildet in keinem Fall die Lösung. Daher ist es durchaus positiv zu bewerten, dass hier nach Bewältigungsansätzen gesucht wird. Allerdings stellt sich bei einem Rückgriff auf wenig bzw. gar nicht qualifizierte Arbeiter die Frage, ob es sich dabei lediglich um eine Betreuung statt Unterrichtsausfall handelt oder wirklich um eine Garantie für einen qualifizierten Unterricht. Langfristig sollte der Beruf des Lehrers wesentlich attraktiver gemacht werden in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, die beruflichen Perspektiven und das Ansehen, damit der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften nicht zu einem Dauerproblem wird. Dennoch sollte man vorsichtig mit einer Beurteilung darüber sein, dass Quer- bzw. Seiteneinsteiger dem Grunde nach schlechtere Lehrkörper sind, weil sie keine ausgebildeten Fachkräfte sind. Oftmals liegt eine besondere Motivation in einem beruflichen Neuanfang, die Möglichkeit, sich und seine Fähigkeiten neu zu entdecken und Kenntnisse und Fertigkeiten weiter auszubauen. Gerade diese Motivation, der „neue und frische Schwung“, den Quereinsteiger mit sich bringen, weckt das Interesse und durchaus auch den Respekt von Schülern. Sie können andere Blickwinkel aufzeigen und haben einen erweiterten Erfahrungsschatz, aus dem sie schöpfen und Ratschläge erteilen können. Man sollte diese Bedingungen nicht unterschätzen, sie können sich vorteilhaft auswirken. Letztlich ist es entscheidend, dass die Schüler auch unterrichtet werden können und der Ausfall an Unterrichtsstunden so gering wie möglich gehalten wird. Ob sie ein vollkommener Ersatz für ausgebildete Lehrkräfte sind, hängt wohl von der jeweiligen Person und seinen Fähigkeiten ab.

323 Gesamtansichen, davon 1 heute

Schlagwörter: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.